Ein Autorentool ist eine Softwarelösung, mit der Lerndesigner, Trainer und Fachexperten digitale Lerninhalte – Kurse, Lernmodule, Quizze und interaktive Szenarien – erstellen können, ohne Code schreiben zu müssen. Das Ergebnis sind SCORM- oder xAPI-Pakete, die in jedem kompatiblen LMS ausgeliefert werden können.
Wer E-Learning-Inhalte erstellen will, braucht keine Programmierkenntnisse mehr. Ein Autorentool (auch: Autorensoftware oder Authoring Tool) ist eine Softwarelösung, mit der Lerndesigner, Trainer und Fachexperten digitale Lerninhalte – Kurse, Lernmodule, Quizze und interaktive Szenarien – erstellen können, ohne Code schreiben zu müssen. Das Ergebnis sind Kurse im SCORM- oder xAPI-Format, die in jedem kompatiblen Learning Management System (LMS) abgespielt werden können. Der globale Markt für Authoring Tools wächst mit über 12 Prozent pro Jahr – getrieben durch die steigende Nachfrage nach unternehmensinternen E-Learning-Inhalten, die schnell und kostengünstig produziert werden können.
Autorentools lassen sich in drei Kategorien einteilen. Desktop-basierte Autorentools wie Articulate Storyline oder Adobe Captivate werden lokal installiert und bieten den größten Funktionsumfang für komplexe Interaktionen und Branching-Szenarien. Sie haben jedoch höhere Einstiegshürden und erfordern Schulung. PowerPoint-Plug-ins wie iSpring Suite nutzen Microsoft PowerPoint als Basis und ergänzen es um Aufnahme-, Quiz- und SCORM-Exportfunktionen. Sie sind ideal für Teams, die bereits in PowerPoint arbeiten und den Schritt zu dedizierter Autorensoftware scheuen. Cloud-basierte Autorentools wie Easygenerator, Rise by Articulate oder Lectora Online laufen im Browser, ermöglichen kollaborative Autorenschaft und bieten schnellen Einstieg. Sie eignen sich besonders für Teams, die dezentral arbeiten oder Fachexperten ohne tiefes E-Learning-Know-how in die Inhaltserstellung einbinden wollen.
Alle professionellen Autorentools teilen einen gemeinsamen Funktionskern. SCORM- und xAPI-Export ist die technische Grundvoraussetzung: Ohne diese Standards können erstellte Kurse nicht in einem LMS ausgeliefert und Lernfortschritte nicht getrackt werden. Interaktivität unterscheidet ein Autorentool von einer einfachen Präsentationssoftware: Klick-Interaktionen, Drag-and-Drop-Aufgaben, Simulationen und Branching-Szenarien machen Lernen aktiv statt passiv. Quizerstellung mit verschiedenen Fragetypen – Multiple Choice, Lückentexte, Zuordnungsaufgaben – ermöglicht Wissensüberprüfung und Zertifizierung. Medienintegration erlaubt das Einbetten von Videos, Audio, Screencasts und Bildern. Moderne Tools bieten zusätzlich KI-gestützte Funktionen: automatische Untertitelung, KI-generierte Quizfragen aus vorhandenem Text oder Unterstützung beim Schreiben von Lernzielen (Assisted Authoring).
Autorentool und LMS sind zwei komplementäre Systeme – keines kann das andere ersetzen. Das Autorentool ist das Produktionswerkzeug: Hier entsteht der Lerninhalt. Das LMS ist das Auslieferungs- und Verwaltungssystem: Hier wird der Kurs den richtigen Personen zugewiesen, Fortschritte werden getrackt, Abschlüsse werden dokumentiert. Die Schnittstelle zwischen beiden ist der SCORM- oder xAPI-Standard: Das Autorentool exportiert den Kurs als SCORM-Paket, das LMS importiert und spielt es ab. Für Unternehmen bedeutet das: Wer ein LMS hat, braucht kein Autorentool, wenn er ausschließlich eingekaufte Kurse nutzt. Wer eigene Inhalte produzieren will, braucht beides.
Autorentools lohnen sich, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind: Das Unternehmen hat wiederkehrenden Bedarf an eigenen Lerninhalten, und diese Inhalte sind zu spezifisch für den Kauf von der Stange. Typische Anwendungsfälle sind Produkt- und Prozessschulungen, Compliance-spezifische Inhalte (z. B. unternehmensinterne Richtlinien), Onboarding-Module und Systemschulungen. Für allgemeine Softskills oder generische Themen wie Zeitmanagement lohnt es sich oft eher, fertige Kurse zu lizenzieren, als eigene zu produzieren. Die Eigenproduktion bindet Kapazitäten – Kursproduktion ist kein Nebenprodukt, sondern ein Projekt.
Die strategische Verbindung zwischen Autorensoftware und Skill Management wird oft übersehen. Wer Kurse ohne Kompetenzmodell produziert, erzeugt Lernstunden – aber keine nachweisbare Kompetenzentwicklung. Wer dagegen Kursproduktion an identifizierte Skill Gaps knüpft, weist jedem Kurs ein klares Kompetenz-Soll zu und kann nach dem Abschluss tatsächlich messen, ob die Lücke geschlossen wurde. Plattformen wie edyoucated verbinden LMS, Autorentools-Integration und Skill Management in einem System – so wird aus der Inhaltserstellung ein Teil der strategischen Kompetenzentwicklung der gesamten Belegschaft.
Was ist der Unterschied zwischen einem Autorentool und einem LMS? Ein Autorentool ist ein Produktionswerkzeug: Hier werden Lerninhalte erstellt. Ein LMS ist ein Verwaltungs- und Auslieferungssystem: Hier werden Kurse zugewiesen, absolviert und getrackt. Beide Systeme arbeiten zusammen – das Autorentool liefert SCORM- oder xAPI-Pakete, das LMS spielt sie ab.
Welche Autorentools sind am weitesten verbreitet? Im Unternehmenseinsatz dominieren Articulate 360 (mit Storyline und Rise), iSpring Suite, Adobe Captivate und Easygenerator. Die Wahl hängt von Komplexitätsanforderungen, Budget und technischem Know-how der Autoren ab. Für Einsteiger und dezentrale Teams eignen sich cloud-basierte Lösungen wie Rise oder Easygenerator; für komplexe Branching-Szenarien ist Storyline das Mittel der Wahl.
Brauche ich ein Autorentool, wenn ich ein LMS habe? Nicht zwingend. Wenn Ihr LMS eigene Autorentools integriert hat oder Sie ausschließlich eingekaufte Kurse nutzen, reicht das LMS allein. Sobald Sie eigene, unternehmensspezifische Inhalte produzieren wollen, ist ein dediziertes Autorentool sinnvoll.
Was bedeutet SCORM für Autorentools? SCORM (Sharable Content Object Reference Model) ist der Exportstandard, über den Autorentools Kurse für LMS-Systeme kompatibel machen. Ein SCORM-Export verpackt den Kurs so, dass er in jedem kompatiblen LMS abgespielt werden kann und Lernfortschritte – Abschlüsse, Testergebnisse, Zeitaufwand – korrekt übertragen werden.


