Workforce Management: Definition, Aufgaben und Software

Definition

Workforce Management (WFM) bezieht sich auf den strategischen Prozess der Optimierung von Arbeitskräften innerhalb eines Unternehmens, um die operative Effizienz zu verbessern und Geschäftsziele zu erfüllen. Es umfasst verschiedene Aktivitäten wie Planung, Prognose, Personalbeschaffung und Leistungsnachverfolgung, um sicherzustellen, dass die richtigen Personen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Durch effektives Ressourcenmanagement und die Anpassung der Personalbestände an die Nachfrage hilft WFM Unternehmen, die Produktivität zu maximieren, Kosten zu minimieren und die Mitarbeiterzufriedenheit zu verbessern.

Wenn die Produktion stillsteht, weil drei Mitarbeitende gleichzeitig krank sind und die Urlaubsplanung nicht berücksichtigt hat, dass der Auftragspeak genau jetzt kommt – das ist kein Pech. Das ist ein Planungsproblem. Workforce Management (WFM) löst es: systematisch, datenbasiert und skalierbar. Der globale WFM-Softwaremarkt wächst bis 2033 auf über 21 Milliarden US-Dollar mit einem CAGR von 9,5 Prozent (Spherical Insights, 2024) – Unternehmen weltweit verstehen, dass Personalplanung zu wichtig ist, um Excel-Tabellen überlassen zu bleiben.

Workforce Management vs. Personaleinsatzplanung: Was ist der Unterschied?

Personaleinsatzplanung ist ein Teilbereich: die operative Zuweisung von Mitarbeitenden zu Schichten, Aufgaben und Standorten. Workforce Management (WFM) ist umfassender: Es schließt neben der Einsatzplanung auch Arbeitszeitmanagement, Bedarfsprognosen, Leistungssteuerung, Compliance-Management und strategische Kapazitätsplanung ein.

Human Resource Management (HRM) ist noch weiter gefasst und umfasst alle personalwirtschaftlichen Prozesse: Recruiting, Entwicklung, Vergütung, Kultur. WFM ist ein Ausführungsinstrument innerhalb von HRM – es stellt sicher, dass die richtigen Personen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind, zu den richtigen Kosten.

WFM in der Praxis: Zahlen und Marktentwicklung (2024/2025)

Cloud-basierte WFM-Lösungen dominieren zunehmend: 2025 hielten sie bereits 63,8 Prozent des globalen WFM-Softwaremarkts (Spherical Insights). Europa hält rund 30 Prozent des weltweiten Marktanteils – Deutschland ist einer der größten Einzelmärkte. Branchen mit dem höchsten WFM-Bedarf: Gesundheitswesen (stärkstes Marktwachstum), Einzelhandel und produzierendes Gewerbe, Logistik sowie Callcenter und Shared Services. Gemeinsamer Nenner: hohe Schichtvariabilität, strenge Compliance-Anforderungen, schwer vorhersehbare Nachfrageschwankungen.

Ziele des Workforce Managements

  • Produktivität steigern: Mitarbeitende werden so eingeplant, dass sie ihre Aufgaben ohne unnötige Warte- oder Leerzeiten erledigen können.
  • Personalkosten optimieren: Über- und Unterbesetzungen, unnötige Überstunden und teure Ad-hoc-Lösungen werden reduziert.
  • Serviceniveau sichern: Ausreichend qualifizierte Mitarbeitende zur richtigen Zeit sorgen für stabile Servicelevel und Kundenzufriedenheit.
  • Flexibilität erhöhen: Schnellere Reaktion auf Nachfrageschwankungen, Krisen oder saisonale Effekte.
  • Mitarbeiterzufriedenheit stärken: Transparente, faire und planbare Arbeitszeiten verbessern Work-Life-Balance und Motivation.
  • Compliance gewährleisten: Arbeitszeitgesetze, Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen werden zuverlässig eingehalten.

Kernkomponenten eines Workforce-Management-Systems

Bedarfsprognose ist der Ausgangspunkt. Wie viele Mitarbeitende werden zu welchen Zeiten gebraucht? Historische Daten, Saisonmuster, Auftragsvolumen und externe Faktoren fließen ein. Moderne Systeme nutzen Machine Learning, um diese Vorhersagen kontinuierlich zu verbessern.

Schicht- und Einsatzplanung übersetzt die Prognose in konkrete Pläne. Dabei müssen Qualifikationen, Verfügbarkeiten, Arbeitszeitgesetze und individuelle Präferenzen berücksichtigt werden. Was früher Stunden dauerte, dauert mit Software-Unterstützung Minuten.

Zeit- und Anwesenheitsmanagement ist das größte Einzelsegment des WFM-Markts. Es erfasst, wer wann tatsächlich gearbeitet hat, gleicht das mit der Planung ab und liefert die Grundlage für korrekte Lohnabrechnung und Compliance-Nachweise.

Leistungssteuerung verbindet WFM mit strategischer Personalentwicklung. WFM-Daten zeigen, wo Engpässe durch Skill Gaps entstehen und liefern objektiven Input für Entwicklungsentscheidungen.

Analytik und Reporting macht Muster sichtbar, die in Excel-Tabellen unsichtbar bleiben: Überstundenkonzentration bei einzelnen Teams, Absentismus-Häufungen in bestimmten Abteilungen, systematische Unterbesetzung in Stoßzeiten.

Welche Unternehmen profitieren am meisten?

Am deutlichsten ist der WFM-Nutzen dort, wo mindestens drei dieser Faktoren zutreffen:

  • Schichtbetrieb oder variable Einsatzzeiten
  • Mehr als 50 Mitarbeitende an einem oder mehreren Standorten
  • Regulatorische Anforderungen an Arbeitszeitdokumentation (z. B. MiLoG, ArbZG)
  • Saisonale oder ereignisgesteuerte Nachfrageschwankungen
  • Hohe Fluktuation oder häufige Kurzzeit-Abwesenheiten

Workforce Management und Personalentwicklung: die unterschätzte Verbindung

WFM wird oft als rein operatives Instrument betrachtet – Schichten planen, Abwesenheiten erfassen, Stunden abrechnen. Dabei steckt in den Daten deutlich mehr Potenzial. WFM-Systeme zeigen, welche Mitarbeitenden regelmäßig in bestimmten Rollen eingesetzt werden und wo Kompetenzengpässe die Flexibilität der Personalplanung einschränken.

Das verbindet Workforce Management direkt mit strategischem Skill Management: Wenn klar ist, dass ein Team in zwei Jahren andere Kompetenzen braucht, kann frühzeitig mit gezieltem Upskilling oder Reskilling gegengesteuert werden. Skill Gaps, die heute unsichtbar sind, werden in der Personalplanung von morgen zum Problem.

Herausforderungen bei der Implementierung

Die häufigsten Stolpersteine sind nicht technischer Natur. Akzeptanz ist das größte Risiko: Mitarbeitende erleben neue Planungssysteme oft als Kontrollverlust, wenn sie nicht früh eingebunden werden. Transparenz über Planungskriterien und Mitspracheangebote erhöhen die Akzeptanz deutlich.

Datenmigration ist die technische Herausforderung: Historische Zeitdaten, Vertragsmodelle und Qualifikationsprofile müssen sauber ins neue System übertragen werden. Qualitätsprobleme hier rächen sich in der ersten Planungsperiode. Change Management ist in vielen Projekten unterschätzt: Führungskräfte und Planungsverantwortliche brauchen Schulung und Begleitung – ein neues Tool ändert Prozesse, und das braucht Zeit.

Workforce Management mit einer Learning Management Plattform verbinden

Wer WFM und Lernen verknüpft, gewinnt einen strategischen Vorteil. Eine Learning Management Plattform macht sichtbar, welche Kompetenzen im Unternehmen vorhanden sind und wo Entwicklungsbedarf entsteht. WFM-Daten zeigen, wo diese Lücken in der Praxis schmerzhaft werden – weil bestimmte Schichten nicht besetzt werden können oder weil Qualitätsprobleme auf fehlende Skills zurückzuführen sind. Zusammen entstehen daraus keine Bauchgefühl-Entscheidungen zur Personalentwicklung, sondern datenbasierte Strategien.

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