Was ist Compliance Training?

Definition

Compliance-Training bezieht sich auf Schulungen, die Mitarbeitenden vermitteln, wie sie sich in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Vorschriften, Unternehmensrichtlinien und ethischen Standards verhalten sollen. Diese Schulungen sind von entscheidender Bedeutung, um sicherzustellen, dass Mitarbeitende die relevanten Regeln und Vorschriften verstehen, einhalten und potenzielle Risiken für das Unternehmen minimieren.

Compliance-Training bezeichnet systematische Schulungsmaßnahmen, mit denen Unternehmen sicherstellen, dass Mitarbeitende gesetzliche Vorschriften, interne Richtlinien und branchenspezifische Standards kennen und einhalten. Laut dem CMS Compliance Index führen 71 Prozent der deutschen Unternehmen regelmäßige Compliance-Schulungen durch — und mehr als die Hälfte hat ihre entsprechenden Budgets in den vergangenen Jahren erhöht.

Was ist Compliance-Training?

Compliance-Training umfasst alle Schulungsformate — von E-Learning-Modulen über Präsenzworkshops bis hin zu Microlearning-Einheiten — die darauf ausgerichtet sind, regelkonformes Verhalten im Unternehmen zu fördern. Dabei geht es nicht nur um das Vermitteln von Wissen: Effektives Compliance-Training zielt darauf ab, Verhaltensänderungen zu bewirken und eine Unternehmenskultur der Integrität zu stärken.

Rechtliche Grundlagen: Warum Compliance-Training in Deutschland Pflicht ist

Deutsche Unternehmen sind durch eine Vielzahl von Gesetzen verpflichtet, ihre Mitarbeitenden regelmäßig zu schulen:

  • DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung): Schulungspflicht für alle Mitarbeitenden mit Zugang zu personenbezogenen Daten; Verstöße können Bußgelder bis zu 4 % des weltweiten Jahresumsatzes nach sich ziehen.
  • AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz): Arbeitgeber sind verpflichtet, Maßnahmen zum Schutz vor Diskriminierung zu ergreifen — Schulungen gelten als nachweisbarer Schutznachweis.
  • Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG): § 12 schreibt Arbeitgebern vor, Beschäftigte regelmäßig und nachweislich in arbeitssicherheitsrelevanten Themen zu unterweisen.
  • Geldwäschegesetz (GwG): Für Finanzdienstleister, Notare und weitere Berufsgruppen gilt eine jährliche Schulungspflicht zur Geldwäscheprävention.
  • LkSG (Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz): Seit 2023 müssen große Unternehmen ihre Mitarbeitenden zu Menschenrechts- und Umweltstandards in Lieferketten schulen.

Kernthemen im Compliance-Training

Je nach Branche und Unternehmensgröße variieren die Pflichtthemen. Zu den universell relevanten Bereichen gehören Datenschutz und Informationssicherheit, Anti-Korruption und Interessenkonflikte, Gleichstellung und Antidiskriminierung, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sowie Umwelt- und Nachhaltigkeitsstandards. Für regulierte Branchen kommen Finanzmarkt-Compliance (MiFID II, MAR), Medizinprodukterecht oder Kartellrecht hinzu.

Formate und Methoden

Modernes Compliance-Training kombiniert verschiedene Lernformate, um sowohl Wissensaufbau als auch Verhaltensänderung zu erreichen. E-Learning-Module mit eingebetteten Szenario-Aufgaben erzielen laut SHRM-Studien deutlich höhere Lernquoten als reine Text-PDFs. Microlearning — kurze, auf ein Thema fokussierte Module von 3–7 Minuten — eignet sich besonders für jährliche Auffrischungen. Blended Learning, die Kombination aus digitalen Grundlagenmodulen und moderierten Fallstudien-Workshops, wird vor allem für Führungskräfte empfohlen.

Digitales Compliance-Training: Vorteile und Implementierung

Digitales Compliance-Training über ein Learning Management System (LMS) bietet gegenüber Präsenztrainings entscheidende Vorteile: automatisierte Zuweisung und Erinnerung, lückenlose Dokumentation für Audits und Bußgeldverteidigung sowie skalierbare Aktualisierung bei Gesetzänderungen. Laut dem CMS Compliance Index hat ein Drittel der deutschen Unternehmen in den vergangenen Jahren eine Compliance-Verletzung erlebt — ein wesentlicher Treiber für die Digitalisierung der Compliance-Trainingsinfrastruktur.

Häufige Fragen zum Compliance-Training

Wie oft muss Compliance-Training durchgeführt werden?

Die gesetzlichen Anforderungen variieren je nach Thema: DSGVO-Schulungen werden in der Praxis mindestens jährlich empfohlen, das AGG schreibt keine feste Frequenz vor, das GwG verlangt jährliche Unterweisungen. Als Faustregel gilt: Pflichtthemen mindestens einmal jährlich, bei wesentlichen Gesetzänderungen anlassbezogen.

Wer ist für Compliance-Training im Unternehmen verantwortlich?

Formal liegt die Verantwortung bei der Geschäftsführung, die diese Pflicht in der Praxis an einen Compliance-Officer, die HR-Abteilung oder den Datenschutzbeauftragten delegiert. Laut CMS Compliance Index verfügen 40 Prozent der deutschen Unternehmen über eine eigenständige Compliance-Abteilung; in kleineren Unternehmen übernimmt diese Rolle häufig der HR-Bereich.

Was passiert, wenn kein Compliance-Training nachgewiesen werden kann?

Fehlende Compliance-Trainings können bei Behördenprüfungen und Gerichtsverfahren als Organisationsverschulden gewertet werden und die Haftung der Geschäftsführung erhöhen. Im Datenschutzbereich können DSGVO-Aufsichtsbehörden das Fehlen von Schulungsnachweisen bei der Bußgeldbemessung erschwerend berücksichtigen. Eine lückenlose Dokumentation über das LMS ist daher als Schutznachweis essenziell.

Wie misst man den Erfolg von Compliance-Training?

Typische KPIs sind Abschlussquote (Ziel: 95–100 % für Pflichtschulungen), Bestehensquote bei Wissenstests, Zeit bis zum Abschluss sowie Incident-Rate vor und nach der Schulung. Ergänzend empfehlen sich Stichproben-Befragungen zur Verhaltensänderung, da reines Wissen wenig aussagt, wenn es nicht in konkretes Handeln übersetzt wird.

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